
Schulprojekt: Schülerfirma gründen - Vorbereitung, Ziele, Ideen

Viacheslav Iakobchuk – stock.adobe.com
Eine Schülerfirma zu gründen ist ein spannendes und praxisorientiertes Schulprojekt: Selbst als Unternehmer agieren und wirtschaftliche Zusammenhänge spielerisch und praxisnah kennenlernen – das bietet das Schulprojekt „Gründung einer Schülerfirma“. Dabei werden nicht nur unternehmerische Kompetenzen, sondern auch Teamfähigkeit, Problemlösungsstrategien und ein Verständnis für nachhaltiges Handeln gefördert.
In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Ideen sich für Schülerfirmen eignen und wie Ihre Schülerinnen und Schüler eine Schülerfirma erfolgreich planen und welche Ziele Sie damit erreichen können.
Erlebnis Schülerfirma – Was macht das Projekt aus?
Für wen ist es geeignet?
Schülerfirmen werden v. a. an weiterführenden Schulen ab der Sekundarstufe I gegründet. Es gibt vereinzelt aber auch Grundschüler, die schon als Unternehmer aktiv werden. Je jünger die Schüler sind, umso mehr Unterstützung benötigen sie von den betreuenden Lehrerinnen und Lehrern. Besonders in der Gründungsphase sind die Jungunternehmerinnen und -unternehmer deshalb auf Hilfe und Tipps von Lehrerinnen und Lehrern angewiesen, die sie als Mentorinnen und Mentoren unterstützen. Damit das Projekt ein Erfolg wird, ist viel Engagement von allen Beteiligten nötig.
Sind Vorkenntnisse nötig?
Spezielle Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das das nötige Know-how wird praxisnah und Schritt für Schritt im Rahmen des Projekts gemeinsam erarbeitet.
Wie lange dauert das Projekt?
Anders als die meisten anderen Schulprojekte ist die Dauer nicht auf Tage oder Wochen, sondern auf mehrere Monate angelegt. Oft wird das Projekt „Schülerfirma“ über ein gesamtes Schuljahr oder länger betrieben. Manche Schülerfirmen kommen so gut an, dass sie von nachfolgenden Schülergenerationen weitergeführt werden oder von den Schülern zu richtigen Unternehmen transformiert werden. Grundsätzlich haben Schülerfirmen natürlich aber v. a. einen pädagogischen Charakter und sollten eine pädagogische Zielsetzung verfolgen.
Wie kann die Schülerfirma in den Schulalltag integriert werden?
Schülerfirmen können auf verschiedene Weise in den Unterricht eingebunden werden:
- Fachunterricht: Häufig im Wirtschaftsunterricht, idealerweise kombiniert mit fächerübergreifenden Themen wie Mathematik, Kunst oder Sozialkunde.
- Neigungsangebote: Als freiwilliges Projekt außerhalb des regulären Unterrichts.
- Schülerinitiativen: In einigen Schulen entstehen Schülerfirmen aus eigener Motivation der Schüler.
Welche Rolle haben Lehrkräfte?
Eine zentrale Aufgabe übernehmen die betreuenden Lehrkräfte: Sie begleiten das Projekt als Mentorinnen und Mentoren pädagogisch, unterstützen bei organisatorischen Fragen und haben die rechtliche Seite im Blick. Sie können bei der Einführung in grundlegende Projektmanagement-Methoden helfen, wie die Arbeit mit To-Do-Listen, Kanban-Boards und Zeitplänen, Soft Skills wie Kommunikation, Teamarbeit und Problemlösung vermitteln und bei der Planung und Durchführung von Meilensteinen sowie regelmäßigen Feedbackschleifen unterstützen.
Bevor es losgehen kann - Die Planung
Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen
Um rechtlich abgesichert zu sein, sollte die Schülerfirma durch die Schulleitung als schulische Veranstaltung genehmigt werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Schülerfirma als Projekt externer Institutionen durchzuführen, wobei deren Versicherungs-Regelungen zu beachten sind. So abgesichert gelten für Schülerfirmen viele Vereinfachungen und Privilegien, was v. a. die rechtlichen Vorgaben, Steuern und Versicherungen betrifft.
Darüber hinaus sollte bei minderjährigen Schülerinnen und Schülern das Einverständnis der Erziehungsberechtigten eingeholt werden.
Zielsetzung
Wie bei der Gründung und Umsetzung eines realen Unternehmens, müssen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Punkte beachten. Hier nur einige Aspekte davon:
- Welche Produkte oder Dienstleistungen soll die Schülerfirma anbieten?
Im Prinzip ist dabei aber alles möglich: von Möbeln, Technik, selbst entwickelten Apps oder Büchern bis hin zu Dienstleistungen ist der Kreativität der Schüler keine Grenze gesetzt. - Gibt es einen sozialen oder ökologischen Fokus?
Bei den Überlegungen sollte der Aspekt der Nachhaltigkeit beachtet werden, d. h., werden die Produkte fair gehandelt und inwieweit kann eine Belastung der Umwelt minimiert werden? Bei Nahrungsmitteln können sich die Schülerinnen und Schüler auf gesunde Varianten spezialisieren.
Projektplanung
- Welche Materialien und Räumlichkeiten werden zur Produktion und zum Vertrieb benötigt?
- Wie soll die Firma heißen und wer gestaltet ein Logo?
- Welches ist die passende Rechtsform für die Firma?
- Welche Zielgruppe wird angesprochen? Sind ausreichend Kunden zu erwarten?
- Wo soll das Produkt verkauft werden? Nur an der Schule oder online?
- Wie viel Startkapital ist nötig und wie wird es gewonnen?
- Was muss bei der Preisgestaltung beachtet werden?
- Was passiert mit den Einnahmen? Viele Schülerfirmen entscheiden sich, die Gewinne zu spenden.
- Was sind die Aufgaben von Einkauf und Produktion?
- Wie kann das Produkt beworben werden?
- Wie kann das Produkt verbessert werden?
Rollenverteilung
Wie viele Angestellte braucht die Firma und wer macht was?- Geschäftsleitung: Koordination der Gesamtprozesse und Führung von Meetings.
- Finanzen: Budgetplanung, Buchhaltung und Übersicht über Einnahmen und Ausgaben
- Marketing: Entwicklung von Werbematerialien und Verkaufsstrategien.
- Einkauf: Verantwortung für die Materialbeschaffung und Verhandlungen mit Lieferanten.
- Produktion: Umsetzung der angebotenen Produkte oder Dienstleistungen.
Zeitplanung
- Dauer: Wie lange ist die Projektlaufzeit (z. B. ein Schuljahr)?
- Meilensteine: Gibt es wichtige Etappenziele, z. B. Gründung, Produkteinführung und Verkaufsphase?
- Regelmäßige Meetings: In welchem Abstand sind Besprechungen nötig, um Fortschritte zu überprüfen und Probleme gemeinsam zu lösen?
- Eventplanung: Sollten Präsentationen, Verkaufsevents oder Elternabende zur Vorstellung der Schülerfirma geplant werden?
- Projektbericht: Am Ende eines Kalender- oder Schuljahres sowie zum Ende des Projekts sollte ein Bericht angefertigt werden, der Informationen, wie z. B. Gewinne, erreichte Ziele und sonstige Entwicklungen der Schülerfirma, dokumentiert und auswertet. Hier sollten die Schüler ihre Arbeit reflektieren und zeigen, welche Lernerfolge sie erzielt haben.
Sehr ausführlich und gelungen umreißt die Online-Broschüre „Firmensitz 9b. In zehn Schritten zur Schülerfirma“ alle wichtigen Punkte, die bei der Gründung einer Schülerfirma beachtet werden sollten.
Nach Projektende können die Schülerinnen und Schüler eine Urkunde oder einen Zeugniseintrag erhalten, die ihnen die Mitwirkung an der Schülerfirma bestätigt.
Ziele einer Schülerfirma
Trotz des Zeit- und Arbeitsaufwands lohnt sich die Gründung einer Schülerfirma. Hier zeigen wir warum:Das Projekt bietet als handlungsorientierte Methode einige Vorteile:
Die Schülerinnen und Schüler
- übernehmen Verantwortung und treffen eigenständige Entscheidungen.
- verwirklichen ihre eigenen Ideen und können ihre Kreativität ausleben.
- setzen theoretisches Wissen direkt in die Praxis um.
- bleiben bei ihren Unternehmungen innerhalb einer sicheren Umgebung.
- lernen wirtschaftliche Zusammenhänge kennen und verstehen und erwerben wirtschaftliches Grundwissen.
- reflektieren Gesetzmäßigkeiten einer auf Wettbewerb ausgerichteten Wirtschaft.
- betrachten diese neben wirtschaftlichen auch unter sozialen und ökologischen Aspekten.
- lernen betriebliche Prozesse und das Arbeitsleben praxisnah kennen.
- stärken ihre Problemlösekompetenz durch authentische Situationen.
- trainieren Teamfähigkeit und verbessern ihre Kommunikationskompetenzen.
- lernen Konflikte konstruktiv zu lösen und Feedback sachlich zu geben.
- trainieren problemlösendes Denken anhand authentischer Situationen.
- erleben fächerübergreifendes Arbeiten und erkennen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Unterrichtsfächern.
- lernen durch den Praxisbezug und die Anwendung besonders nachhaltig.
Ideen für Schülerfirmen
Nachhaltige Produkte
- Herstellung von Upcycling-Produkten wie Taschen aus alten Bannern, Geldbörsen aus Tetra-Pak-Behältern oder Federmäppchen aus Stoffresten.
- Verkauf von selbstgemachten Produkten wie Bienenwachstüchern oder nachhaltigen Geschenkverpackungen.
- Anzucht und Verkauf von Pflanzen oder Kräutern.
Catering und Snack-Verkauf
- Organisation einer Cafeteria mit gesunden Snacks und Getränken.
- Verkauf von Pausenbroten, Smoothies oder selbstgebackenen Kuchen in den Pausen oder bei Schulveranstaltungen.
- Catering für Elternabende oder Schulfeste.
Schul-Merchandise
- Gestaltung und Verkauf von T-Shirts, Stoffbeuteln, Trinkflaschen oder Notizbüchern mit Schullogo.
- Personalisierte Artikel für Abschlussklassen oder Schulwettbewerbe.
Dienstleistungen
- Nachhilfeangebote durch ältere Schülerinnen und Schüler für jüngere Klassen.
- IT-Support innerhalb der Schule (z. B. Hilfe bei Präsentationen oder technischen Problemen).
- Reparaturservice für Fahrräder oder kleinere Alltagsgegenstände.
Kreativprojekte
- Erstellung einer Schulzeitung oder eines digitalen Magazins.
- Produktion von Podcasts oder Schulvideos zu aktuellen Themen.
- Gestaltung von Postern, Flyern und anderen Druckmaterialien für Schulveranstaltungen.
Infoquellen
Wenn Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern nun eine Schülerfirma gründen möchten, erhalten Sie hier weitere Informationen:
- Das Portal „Gründung in school“ des Bundeswirtschaftsministeriums bietet Qualifizierungen von Lehrkräften, unterstützen Schülerfirmen, bieten Planspiele an und veranstalten Gründungswettbewerbe.
- "Startup Zukunft!" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung bietet viele Infos rund um das Thema „Schülerfirma“. Außerdem bietet das Fachnetzwerk eine individuelle Beratung, Unterstützung für Lehrkräfte und die Möglichkeit, sich mit anderen Schülerfirmen zu vernetzen.
- Die Institut der deutschen Wirtschaft Köln JUNIOR gGmbH bietet Programme für Schülerinnen und Schüler verschiedenen Alters.
- Das Förderprojekt youstartN der spendenfinanzierten Stiftung Bildung fördert Gründungsideen und bestehende Firmen und Genossenschaften von Azubis, Schülerinnen und Schülern, die unter der Berücksichtigung der von den Vereinten Nationen beschlossenen 17 Nachhaltigkeitsziele arbeiten, mit Booster-Geldern bis zu 1.000 Euro. Zudem bietet das Projekt wöchentlich kostenlose Online-Sprechstunden.
- Junior Achievement Austria ist ein Verein, der u.a. von der Handelskammer Österreich und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert wird. Sie unterstützen Schülerinnen und Schüler bei der Gründung von Junior Unternehmen.
- Young Enterprise Switzerland ist eine Non-Profit-Organisation, die das Company Programme durchführt. Für dieses gründen Schülerinnen und Schüler Miniunternehmen und werden dabei von einem Wirtschaftspaten begleitet.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Schülerfirma:
Was ist eine Schülerfirma
„Schülerfirma“ ist die Bezeichnung für ein Projekt in Schulen, bei dem Schülerinnen und Schüler eine Firma gründen und eigene Geschäftsideen in die Praxis umsetzen. Die Lehrkräfte stehen ihnen dabei als Mentoren unterstützend zur Seite.
Was macht eine Schülerfirma?
In einer Schülerfirma entwickeln Schülerinnen und Schüler Produkte oder Ideen für Dienstleistungen, die sie verkaufen bzw. anbieten können. Dabei lernen sie in einer sicheren Umgebung wirtschaftliche Arbeitsweisen, -prozesse und Zusammenhänge kennen und übernehmen Verantwortung.
Wie wird eine Schülerfirma gegründet?
Die Schülerinnen und Schüler überlegen sich, welche Produkte sie produzieren und verkaufen wollen bzw. welche Dienstleistungen sie anbieten wollen. Die Arbeit wird dann auf verschiedene Abteilungen (Buchhaltung, Marketing etc.) aufgeteilt.
Wie funktioniert eine Schülerfirma?
In einer Schülerfirma sind die Schülerinnen und Schüler für das Unternehmen verantwortlich. Sie treffen selbstständig Entscheidungen, führen Tätigkeiten aus und lernen so praxisnah, die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen.
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